Jugend musiziert – einmal anders

Der offizielle Artikel zum 17. Landeswettstreit folgt in Kürze. Hier, vorab die persönlichen Betrachtungen eines Vaters, der seine Tochter zum letzten Mal zum Landeswettstreit begleiten konnte.

Heute war der zweite Tag des 17. Landeswettbewerb “Jugend musiziert”. Ich weiß garnicht, wie oft wir bereits an solch einer Veranstaltung teilgenommen haben. Schwerin, Rostock und nun 2008 bei uns in Neubrandenburg. An 6 (Samstag) bzw. an 5 (Sonntag) Austragungsorten in Neubrandenburg brachten die Jugendlichen mit viel Elan ihr Wettbewerbsprogramm einer gestrengen Jury und dem Publikum zu Gehör. Für unsere “Kinder” stand der Termin (Akkordeon-Duo) seit Wochen fest. Am Sonntag, dem 09.März 2008, kurz vor 11 Uhr in der Ziegelbergstrasse soll das Vorspiel stattfinden. Und heute war es soweit. Voller Erwartung kamen die Angehörigen in den Kammermusiksaal in den 3. Stock der Neubrandenburger Musikschule. So ein Vorspiel, erfüllt die Eltern, Verwandte und Freunde meist mit viel Stolz. Stolz auf ihre Kinder, die es geschafft haben, neben vielen anderen Belastungen, wie beispielsweise der laufenden Vorbereitung auf das Abitur, in Ensembles klassische Musikstücke bis zur Perfektion einzustudieren und dann “mit spielerischer” Leichtigkeit vorzutragen. Aber letztlich steht die Freude am gemeinsamen Musizieren im Vordergrund. An solchen Tagen schweifen die Gedanken dann gelegentlich in die Ferne. Man denkt an die Anfänge zurück. Die Auswahl des Instruments, die Bekanntschaft mit dem zukünftigen Musiklehrer, die ersten Noten und viele Fahrten zur Musikschule mit Kind und Akkordeon. Zwischen 2-3 Mal in der Woche stand dieses schweißtreibende Programm auf dem Kalender. (Ich behauptete immer, daß ich “eine tragende Rolle” spiele). Dann die ersten Auftritte, im Kindergarten (war das eine Aufregung), dann mal hier und dort. Später im Übungslager in Salow nebst Abschlusskonzert im Salower Speicher. Regelmäßig, jedes Jahr, gab es dann mehrere Höhepunkte. Akkordeons LIVE zum Beispiel. Dieses Konzert ist auch das, an dem sich die Musikschüler nach Schuljahresschluß von ihren Lehrern, meist sehr emotional nach vielen erlebnisreichen, gemeinsamen Jahren verabschieden. Jedesmal flossen in den letzten Jahren da Tränen und nicht nur bei Mädchen, sondern auch bei den sich so männlich gebenden Jungen genauso wie bei ihren Lehrern. Die Bande zwischen Musiklehrer und seinen Schülern scheint eine ganz besondere zu sein. Davon kann sich jeder selbst überzeugen, der an solch einem Konzert teilnimmt. Sollte gerade keins stattfinden, dann kann man sich auch durch einen Blick auf die vielen Fotos und Collagen in den Zimmern der Musiklehrer ein Bild machen. Viele selbstgefertigte Arbeiten der Schüler für ihre Lehrer sprechen eine deutliche Sprache. Neben diesen zur Tradition gewordenen Veranstaltung, gehört natürlich der Auftritt der Akkordeonisten zum Vier-Tor-Fest, genauso wie zum Weihnachtskonzert zum alljährichen Standardprogramm.

An vielen musikalischen Höhepunkten im Jahr erfreuen sie so viele Menschen mit ihrem Spiel. Mitunter kommen noch andere Auftritte hinzu. So durfte unser “Akkordeonduo” auf der diesjährigen IHK-Auszeichnungsveranstaltung sowie bei der Verleihung des Siemerling Preises vor einigen Tagen im Lessinggymnasium die Gäste erfreuen. Natürlich bedeuten solche Termine auch Verpflichtungen für die Eltern – schließlich müssen die Musiker pünktlich zu den Terminen kommen. Aber zurück zum heutigen letzten großen Auftritt. Diesem Vorspielen, fiebern nicht nur die Musikschüler, sondern auch die Eltern entgegen (nach meinen persönlichen Erfahrungen insbesondere die Mütter). Dann wächst die Anspannung. Einmal daneben getippt oder zu zeitig eingesetzt, zu schnell gespielt oder zu leise kann die gesamte Vorbereitung zu Nichte machen. Wenn es aber geklappt hat, ist die Freude groß. Im Laufe der Zeit bildeten sich auch viele Freundschaften unter den Musikschülern, die aus unterschiedlichen Schulen der Stadt kommen. Auch unter den Eltern kommt es dann über die Jahre zu neuen Bekanntschaften, die man nicht mehr missen will. In den vergangenen Jahren sind wir gemeinsam mit unseren Kindern, zu den Bundeswettstreiten nach Baden-Baden und Nürnberg gefahren. Glaubt man den Musiklehrern (und warum sollte man das nicht?) gibt es ehemalige Ensemble die sich jährlich nebst Eltern und Musiklehrern regelmäßig wieder treffen. Auch haben sich viele ehemalige Musikschüler, die unser Bundesland arbeitsbedingt verlassen mussten, sich oft gleichgearteten Musikgruppen angeschlossen und somit leichter Fuß in der Fremde gefasst.

Heute kommt für uns Drei nun ein neuer Zeitabschnitt. Es war das vorletzte Vorspiel. Sehr schade, aber nicht zu ändern. Da geht schon richtig zu Gemüte. Egal, wir sind uns sicher, die Musikausbildung hat unsere Kinder unheimlich in ihrer Persönlichkeit bereichert, und wir können sie anderen Familien nur nahelegen. Am liebsten würde ich selber jetzt ein Musikinstrument noch erlernen, aber dafür fehlt mir die Zeit und die Ausdauer. (Meine Frau hat es aber getan) Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, das so eine Ausbildung Geld kostet, viel Geld im Laufe der Zeit.

Tja, was soll ich noch sagen? Den Auftritt meisterten die zwei jungen Damen (wie von mir nicht anders erwartet) mit viel Elan. Eine ehemalige Musikschülerin, mit der Beide viele Auftritte gemeinsam absolvierten, war auch anwesend und drückte die Daumen. Die jüngeren Musikschüler, die gerade ihr Programm absolviert hatten, schauten jetzt bei den “Großen”, (da war sie wieder die Erinnerung) zu. Ihre Gesichter sprachen Bände. Kurz nach Mittag dann die Auswertung. In Anwesenheit ihres langjährigen Musiklehrer kam die Jury dann zur gezielten Auswertung der gespielten Titel. Nach meinem dafürhalten haben sich die Juryoren ausgesprochen viel Mühe bei der Beurteilung gegeben. Absoluter Sachverstand mit viel Herzblut für die Jugendlichen. Einige Anregungen und konkrete Tipps gab es dann mit auf den Weg. Aber das Ergebnis wurde nicht verraten. Einige Stunden später. Nach einem wunderschönen (erholsamen) Sonntagnachmittag ging es dann zum Abschlußkonzert in die Konzertkirche. Wie immer boten die Musikschüler ein hervorragendes, vielgestaltiges Programm. Dann kam auch die Stunde für unsere Mädels. “Sehr gut” verbunden mit einer Weiterdelegierung zum Bundeswettstreit nach Saarbrücken. Aber es kam noch eine Überraschung. Sie erhielten einen Ehrenpreis für die Wiedergabe eines zeitgenössichen Musikstücks. Vergessen, wie weggeblasen, war die lange Anspannung und Doppelbelastung der letzten Wochen. Geschafft! Glücklich, aber auch ein wenig wehmütig, verließen wir zu Dritt die Konzertkirche, wohl wissend, das wieder ein Kapitel in unserem Leben unwiederbringlich zu Ende ist. Aber wie geht es mit der Musikschule weiter? Sie hat wohl dieses Jahr besonders zu “knappern”, verlassen doch gleich zwei Jahrgänge (12 und 13. Klasse) zugleich ihre Spielzimmer. Zudem kommen jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge in das Musikschulalter.

Wir drücken jedenfalls den Musikschullehrern die Daumen, das sie in Zukunft weiterhin ihre professionelle Arbeit fortsetzen können, zum Wohle unser Kinder und Kindeskinder.

Ein ganz spezielles Dankeschön möchte ich noch Dieter Faulian sagen.

Leider dürfen zu diesen Vorspielen keine Video- & Audioaufnahmen gemacht werden. Sehr schade, aber nachvollziehbar. In Kürze (nach Klärung der Urheberrechte), werde ich hier einige Videoaufnahmen vorstellen. Vielleicht bekommt ja der eine oder andere Elternteil Lust, sich mit seinen Kindern mal die Angebote der Musikschulen an einem Schnuppertag näher anzusehen!

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